| Terra Sigillata ist der Sammelbegriff für rotglänzende Tonwaren aus der römischen Zeit. Der Begriff ist aus der französichen Forschung übernommen und bedeutet, "mit Siegellack überzogene Erde". Die ursprüngliche, römische Bezeichnung für diese Keramikart ist nicht überliefert. Die vielschichtigen, komplizierten Herstellungstechnik der Sigillata setzt eine Spezialisierung und bei den produzierten Massen an den großen Töpferorten auch ein arbeitsteiliges Verfahren voraus. |
| Um eine Reliefschüssel zu fertigen, müssen folgende Schritte durchgeführt werden. |
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Stechen, Transport und Aufbereiten des Tones. |
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Ausschlämmen der Glanztone für den Engobenüberzug (dünnflüssiger Tonbrei aus Glanzton.) |
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Modellieren der Figurenpunzen (Figuren- und Ornamentstempel) sowie der Namensstempel durch einen Punzenschneider und das Brennen der Punzen. |
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Drehen und Feinbearbeitung der Formschüssel, |
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Trocknen der Formschüssel |
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Im lederhartem Zustand wird auf der Innenseite mit den Figurenpunzen ein Muster gestempelt. Hierzu werden im Schnitt sieben verschiedene Punzen benutzt und je nach Stilempfinden des ausformenden Töpfers in gleiche oder verschiedene Gruppen drapiert. |
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Trocknen und Brennen der Formschüssel bei 700 - 800 °C. |
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Eindrehen des sehr plastischen Reliefschüsseltones. |
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Nach der Trocknung trennen von Formschüssel und Reliefschüsselrohling, anbringen des Standringes, und polieren der verzierungsfreien Rand- und Unterteilzonen. |
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Engobieren mit der Glanztonengobe, wiederum trocknen. |
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Brennen der Gefäße in Stezialöfen bei 950 bis 1000 °C. |
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Resttrocknung der Formschüssel für weitere Ausformungen. (bis ca. 500 Ausformungen aus einer Form möglich) |
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Überführung der fertigen Keramik in den Handel |
| Neben den Reliefwaren umfasst das Formenspecktrum unverzierte glatte Sigillata, daneben treten mit Tonschlicker bemalte (Barbotine-Waren), als auch kerbschnittverzierte Gefäße auf. Vor allen die Reliefwaren und glatten Sigillaten (hier ab Mitte 2. Jahrh. abnehmende Tendenz) zeigen meist Einstempelungen der Produzentennamen oder Töpfer. Die Verzierungen "mit Barbotine" und "kerbschnittverzierte Gefäße" werden unter dem Töpferort Rheinzabern ausführlich behandelt. |
| Der Ton |
schwankt von dunkelziegelrot bis orangerot |
| Der Überzug |
ist matt bis spiegelnd glänzend |
| 1.Jahrhundert |
dunklere Töne und hochglänzend |
| später |
wird die Tönung heller der Überzug matter |
Die Brennart ist ein oxidierendes Verfahren, das heißt, die Luftzufuhr im Ofen wird erhöht. Die gute Qualität der Sigillata konnte man nur mit Spezialöfen erreichen, wie z.B. in Rheinzabern ausgegraben. Nur in diesen Spezialöfen erreichten die Römer das benötigte Brennmilieu und eine Brenntemperaturen von 950 - 1000°C. Hierbei durchläuft die Glanztonengobe einen Sinterungsprozeß, die Oberfläche der Gefäße wird wasserundurchlässig und erhält das rotglänzende Aussehen. Dieses Sintern der Oberfläche macht es notwendig, das jegliche Verunreinigung der Heizgase, bei Holzfeuerung immer gegeben, durch Schwebeteilchen aus Ruß, mitgerissene Asche und Holzkohlestückchen, von dem Brenngut ferngehalten wird. Diese würden sich sonst unweigerlich in die weiche Gefäßoberfläche einlagern. In der modernen Porzellanbrennerei werden die Gefäße für den Glasur- oder Glattbrand in sog. Muffeln (Kammern aus gebrannten Tonrohren) gesetzt und die Feuerung um die Muffeln herum geführt. In römischer Zeit hingegen wurden die Heizgase in Rohrleitungen durch den Brennraum geleitet, um so den Kontakt mit dem Brenngut zu vermeiden. Diese Rohrleitungen dienten gleichzeitig auch als Grundgerüst für eine regalartige horizontale Unterteilung des Ofens in mehrere Etagen um die Stapel der Gefäße ein eine vertretbare Höhe zu halten. Durch diese Rohrkonstruktion kam es zu einer indirekten, flammenlosen Beheizung des Brennraumes, wodurch auch das oxidierende (sauerstoffhaltige) Milieu für die Rotfärbung der eisenhaltigen Engobe leichter konstant zu halten war. |
Rekonstruiertes Schnittmodel eines Terra-Sigillata-Ofens aus Rheinzabern
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Überdachte Bedienungsgrube für die Feuerung |
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6.) |
Ofenwand |
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Schürkanalmund zum Beschicken der Holzfeuerung |
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7.) |
Brennkammer |
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Schür-Hauptheizkanal |
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8.) |
Gemuffte Rohrleitungen zur Durchführung und Abkapselung der Heizgase |
| 4.) |
Tonrohrleitung zur Zuführung von zusätzlicher Luft zur Brenntemperaturregelung |
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9.) |
Aufgestapeltes Terra-Sigillata-Geschirr |
| 5.) |
Querzüge, Heizgasverteiler |
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10.) |
Antike Oberfläche |
Die Produktionsschwerpunkte sind:
| Die hier aufgeführten Töpferorte haben im Rheinland einen breiten Abnehmerkreis gefunden, wie die vielen Fundstücke zeigen. Darüber hinaus gab es im röm. Reich noch weitere TS-Töpfereizentren z.B. in Italien oder u.a. die afrikanische TS aus Tunesien. |
1.1 Oberitaliänische Fabriken
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1. Fabrik in Arrezzo |
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2.Hälfte 1.Jahrh. v. Chr. bis 1.Hälfte 1.Jahrh. n. Chr. |
| Arretinische TS ist recht dünnwandig und daher auch leicht. Der Oberflächenglanz ist von hervorragender Qualität, jedoch nicht hochglänzend. Die Farbe tendiert mehr zum Orangen als zum Roten. Die Darstellungen sind in der Hauptsache griechischen Ursprungs und meist Personen bezogen. Das reichhaltige Beiwerk wie, Blätter, Blüten, Früchte, Ranken, geometrische Ornamente und Tiere werden bei Figurendarstellungen meist als Raumteiler eingesetzt. In der frühen Kaiserzeit wurden überwiegend die Formen : |
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1 = Kelch, Dragendorf 11 s. Bild 2 = zylindrischer Becher, Dragendorf 30 s. Südgallisch 3 = Schüssel, Dragendorf 29 s. Südgallisch 4 = zylindrischer Becher, Dragendorf 30 s. Südgallisch hergestellt. Eine weitere recht frühe Form ist 7 = Kelch, Dragendorf 11 s. südgallisch Literatur: H.Dragendorf, C.Watzinger, Arretinische Reliefkeramik, 1948 C.Johns, Arretine and Samian Pottery, 1971
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 Bild 1: Reliefkelch mit Stengelfuss und weit ausladender Lippe. Das Reliefband stellt einen Viererzyklus mit Satyrn dar. H.Dragendorf, Terra Sigillata S.62
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1.2 Südgallische Fabriken
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im Großraum von Lyon Banassac La Graufesenque Lezoux Montans |
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ab Anfang 1.Jahrh. n. Chr. |
Die ersten Produktionsstätten im gallischen Raum etablierten sich um 15 n. Chr. in La Graufesenque und Montans. Später auch in anderen Orten. Die aus diesen Werkstätten stammende sog. südgallische Ware ist etwas dicker als die arretinische Ware. Die ersten Gefäße sind sehr schön in Form und Dekoration, da sie ziemlich genaue Kopien der Arretina sind. Dann haben die südgallischen Töpfer eine eigene Art der Dekoration entwickelt und hierbei einen hervorragenden Standard erreicht. In der Hauptsache sind Vögel, Hunde, Hasen und Ornamente von Blattwerk die Träger des Bildfeldes. Die südgallischen Fabriken erlangten eine derartige Bedeutung, dass der Export von Arretina aus Italien etwa 30 - 40 n. Chr. eingestellt wurde. Nachdem die Herstellungstechnik ausgereift war, bekam diese Ware aus feinem Ton einen stark glänzenden Überzug und eine hell orange-rote Farbe. In der claudischen Zeit (42-50 n. Chr.) konnte die Qualität trotz Vergrößerung der Produktion gehalten werden. Die verstärkte Produktion in der neronischen Zeit (50-68 n. Chr.) führte zu einer Qualitätseinbuße im Dekorationsstiel und der Reliefschärfe. Die Farben verdunkelten sich allmählich und der Überzug verlor an Glanz. Die arretinischen Formen 1 = Kelch; 2 = Zylindrischer Becher; 3 = Schüssel; 4 = Zylindrischer Becher sowie 7 = Kelch wurden auch von den südgallischen Töpfern verwendet |
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Bild 2. Zylindrischer Becher Dragendorf 30, Reliefschmuck frühgallisch Lit. A. Oxe, Frankfurt 1934 s. 16 f, Tafel IV
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Bild 3. Reliefschüssel Dragendorf 29, Reliefschmuck frühgallisch
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Bild 4. Zylindr. Becher Dragendorf 30, Reliefschmuck südgallisch
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| Etwa zur 2. Hälfte des 1. Jahrh. wird die Form der Reliefschüssel Bild 3 durch eine neue einfachere Form Bild 6 ergänzt und später weitestgehend verdrängt. Die Relieffläche wird auf das Mittelstück der Schüssel begrenzt. |
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Bild 6. Reliefschüssel Dragendorf 37 Reliefschmuck
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Bild 7. Reliefkelch Dragendorf 11 mit Stengelfuß und ausladendem profiliertem Rand frühgallisch
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Literatur :
| A. Oxe, |
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Frügallische Reliefgefäße vom Rhein, Frankfurt 1934 Heft 6, der Materialien zur röm. germ. Keramik |
| G. Mary, |
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Die südgallische Terra Sigillata aus Neuss, Novesium I. Limesforschung Band 6, 1967 |
| H. v. Werden, |
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Terra Sigillata Sammlung im Clemens Sels Museum Neuss 1979 |
1.3 Mittelgallische Fabriken
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Lezoux Vichy |
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ab Mitte 1.Jahrh. n. Chr. |
Die um 100 n. Chr. Terra Sigillata produzierenden mittel(zentral)gallischen Töpfereien in Lezoux und Vichy u.a. lösen die südgallischen Produktionsstätten ab. Mittelgallische Ware ist dickwandig und der orangefarbene Überzug ist oft glänzend. Die dekorierte Ware erreicht nicht den Standard der Ware die in Südgallien hergestellt wurde. Dies ist vielleicht auch auf die Verwendung von etwas gröberem Ton für die Formen zurückzuführen. Die Dekoration der Type 4 = zylindrischer Becher, Dragendorf 30 und Type 6 = Reliefschüssel, Dragendorf 37 zeigt eine Vielfalt menschlicher und tierischer Darstellungen zusammen mit vielen kleinen dekorativen Details, die als Füllsel benutz werden. Die späteren Stücke werden größer, dicker und der Glanz wird matter. Der Farbüberzug zeigt eine Tendenz zum Braunen. |
1.4 Ostgallische Fabriken
| Die Produktionen von TS im ostgallischen Raum begannen zum Ende des ersten Jahrhunderts und breiteten sich recht schnell auf viele versch. Töpferorte aus. Da hier die Informationen und Details für die Töpferorte sehr umfangreich sind, werden sie bei den einzelnen Töpferorten besprochen. |
Fundanalyse verschiedener Orte :
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